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Billerbecker Anzeiger vom 20. Januar 2005:
"Ich hab`s mir schwieriger vorgestellt"
100 Tage im Amt: Bürgermeisterin
Marion Dirks zieht erste Zwischenbilanz
Billerbeck. Vor 100 Tagen hat Marion Dirks per Unterschrift die Annahme der Wahl zur Bürgermeisterin erklärt und als Symbol für die Übernahme der Amtsgeschäfte den Generalschlüssel fürs Rathaus von Vorgänger Harald Koch übernommen. Viel Zeit, sich auf den Lorbeeren des Wahlsiegs auszuruhen, blieb der parteilosen Bürgermeisterin nicht. Im Interview mit Redakteurin Christine Tibroni schildert Dirks, wie sie mit der neuen Rolle zurecht kommt, welche positiven und negativen Erfahrungen sie bisher gemacht und was sie für Billerbeck angestoßen hat.
Wie schnell ist nach der Euphorie des Wahlsiegs der Alltag ins Bürgermeisterzimmer eingekehrt?
Dirks: Unmittelbar nach der Schlüsselübergabe.
Und wie sieht der Alltag aus? Können Sie einen ein typischen Arbeitstag beschreiben?
Dirks: Den typischen Arbeitstag gibt es nicht. An manchen Tagen bin ich viel unterwegs, besuche zum Beispiel Tagungen. Dann gibt es wieder Tage, die ich größtenteils im Rathaus verbringe, um Sitzungen vorzubereiten, Rücksprachen mit den Fachbereichsleitern und Sachbearbeitern zu halten etc. Besonders freut mich, dass die Billerbecker auch spontan, außerhalb der Sprechstunde zu mir kommen. Meine Tür steht immer offen, sowohl für die Bürger als auch für die Mitarbeiter.
Wie ist Ihnen der Rollenwechsel von der Kollegin in der Redaktion zur Chefin im Rathaus gelungen?
Dirks: Wesentlich besser, als ich gedacht habe, denn zu den Kollegen hatte ich immer ein persönliches, herzliches Verhältnis. Jetzt gibt es natürlich eine gewisse Distanz, dennoch ist es mir gelungen, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, indem ich zum Beispiel die Mitarbeiter, und zwar nicht nur die Fachbereichsleiter, so oft wie möglich einbeziehe. Das funktioniert bisher auch ganz gut.
Die Zusammenarbeit mit dem Rat gestaltet sich indes - vorsichtig formuliert - etwas holprig.
Dirks: Das sehe ich auch so. Und es hängt sicher damit zusammen, dass sich die neuen Ratsmitglieder orientieren und einarbeiten müssen. Darüber hinaus können nicht alle Fraktionen damit umgehen, dass Billerbeck jetzt eine unabhängige Bürgermeisterin hat.
Wobei vor allem die SPD von Ihrer Unabhängigkeit nicht überzeugt ist und in der Personalie Messing eine frühe Bestätigung der Annahme sah, dass die unabhängige Bürgermeisterin, um Politik machen zu können, schnell ihr Fähnchen nach der Mehrheitsfraktion dreht. Was halten Sie dem entgegen.
Dirks: Ich lege großen Wert auf meine Unabhängigkeit, die sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass ich gegenüber allen Fraktionen Gesprächsbereitschaft signalisiert habe, und alle Fraktionen gleichermaßen informiert werden. Bei Abstimmungen im Rat treffe ich sachorientierte Entscheidungen. Das gilt im übrigen auch für die Personalentscheidungen der vergangenen Wochen zu.
Sie nehmen zurzeit zahlreiche repräsentative Pflichten wahr. Werden Sie dieses Pensum durchhalten können?
Dirks: Mir machen diese Termine Spaß. Der Kontakt zu den Bürgern ist mir wichtig, weil ich darüber auch Anregungen bekomme. Ob ich das auf Dauer durchhalten kann, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass diese Repräsentationstermine im ersten Jahr vermehrt anfallen. Danach - wenn das Neue weg ist - wird das vielleicht anders. Außerdem habe ich ja auch zwei Stellvertreter, die mich entlasten, und ich habe mir ein Zeitlimit für diese Termine gesetzt.
Wo bleibt im Tagesgeschäft, in dem auch die Themen Hartz IV und Offene Ganztagsgrundschule derzeit Energien binden, Raum für eigene kreative Ideen für Billerbeck?
Dirks: In den ersten 100 Tagen wurden durchaus einige Dinge angestoßen, so hat ein Gespräch zum Thema Stadtmarketing stattgefunden, und wir arbeiten an einem Konzept für die Umsetzung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF). Ideen ergeben sich vor allem aus meinem Programm, das ich nach und nach umsetzen möchte. Wobei die finanziellen Rahmenbedingungen wenig Gestaltungsspielraum lassen.
Haben Sie sich das Bürgermeisteramt so vorgestellt?
Dirks: Ich hab`s mir schwieriger vorgestellt. Durch meine langjährige Ratsarbeit gibt es kaum einen Vorgang über den ich nicht informiert bin. Darüber hinaus habe ich schon im Wahlkampf viel Fachliteratur gelesen, um mich in Themen wie NKF einzuarbeiten. Das heißt jetzt nicht, dass das Bürgermeisteramt ein Kinderspiel ist, aber dass es richtig war, dass ich mich dafür beworben habe.

Bürgermeisterin Marion Dirks an ihrem Schreibtisch im Rathaus, an dem sie vor 100 Tagen erstmals Platz nahm. Längst ist Alltag in das Bürgermeisterzimmer eingekehrt.
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