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Marion Dirks - Reden
Rede zum Neujahrsempfang 2005
Liebe Billerbeckerinnen und Billerbecker,
liebe Gäste unseres Neujahrsempfangs,
Als ich den Termin für den heutigen Neujahrsempfang
festlegte und mir Gedanken über das Thema machte,
konnte ich noch nicht ahnen, dass eine so entsetzliche
Naturkatastrophe zum Jahreswechsel über die Welt
hereinbrechen würde. In der Zwischenzeit mussten wir zur Kenntnis nehmen, welche dramatischen und
tragischen Auswirkungen Naturgewalten haben können.
Es ist mir deshalb ein Bedürfnis, meine große Betroffenheit
über diese schreckliche Katastrophe zum Ausdruck zu
bringen, die sich in den letzten Tagen des letzten Jahres
in Südostasien ereignet hat.
Es sind ihr offenbar weit über 200.000 Menschen zum
Opfer gefallen, eine unvorstellbare Zahl.
Die Katastrophe hat keinen Unterschied gemacht: Es
wurden Armutsviertel betroffen und Urlaubsparadiese.
Die Flutwelle machte vor keinen Grenzen halt, sie
verschonte auf ihrem Weg nichts und niemandem.
Wir dürfen aber auch feststellen, dass die Hilfsbereitschaft
grenzenlos ist. Obwohl die einheimische Bevölkerung im
Katastrophengebiet selbst zu kämpfen haben, halfen sie
wie und wo sie nur konnten, mit ihren bescheidenen
Mitteln, aber mit einem großen Willen. Privatpersonen, die
Wirtschaft, die Regierungen, Organisationen in Kultur und
Sport und viele andere in der ganzen Welt entwickelten
eine große Spendenbereitschaft und sorgen dafür, dass
die Hilfsorganisationen, die Retter, die Ärzte, das
Menschenmögliche tun können.
Diese große Hilfsbereitschaft hat insofern etwas Positives,
was wir aus diesem Unglück ziehen können. Die Menschen
scheinen noch ein Gespür dafür zu haben, dass jeder auch
eine Verantwortung für seinen Mitmenschen trägt und
Eigentum und Wohlstand auch mit einer sozialen
Verpflichtung den Ärmeren gegenüber verbunden ist.
Auch hier in Billerbeck ist die Spendenbereitschaft groß.
Das gemeinsame Konzert von Billerbecker Chören und
Musikvereinigungen am vergangenen Sonntag war ein
beeindruckendes Beispiel von vielen. Auch in Zukunft
werden sich die Billerbeckerinnen und Billerbecker
Gedanken machen, wie sie den Wiederaufbau in den
betroffenen Ländern begleiten können.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, dass ich Sie zu unserem Neujahrsempfang
begrüßen darf. Ganz besonders herzlich willkommen heiße
ich Herrn Propst Heinrich Remfert als Vertreter der
Katholischen Kirchengemeinde St. Johann/St. Liudger und
Frau Pfarrerin Renate Langenheder als Vertreterin der
Evangelischen Kirchengemeinde Vom Guten Hirten hin.
Nach mittlerweile gutem Brauch finden die Neujahrs-
empfänge abwechselnd in der politischen und den
kirchlichen Gemeinden statt.
Mein herzlicher Gruß gilt Herrn Professor Reuber vom
Institut für Geographie der Universität Münster, der sich
bereit erklärt hat, uns in ein aktuelles und drängendes
Thema einzuführen. Begrüßen möchte ich auch die drei
jungen Damen Lisa Büscher, Theresa Falkenhorst und
Cara Kleine-Jäger, die uns gleich in die Welt der Musik
entführen.
Wenn wir an das Jahr 2004 zurückdenken, werden wir
uns vor alle am die Eröffnung des in hervorragender Weise
renovierten Billerbecker Bahnhofes am 1. Mai erinnern.
Ein gelungenes Fest begeisterte Billerbecker und Gäste.
Unser Bahnhof ist ein als viel beachtetes Vorzeigeobjekt.
Auch die obere Bahnhofstraße bekam ein neues,
angemessenes Kleid. Die Schmiedestraße wurde ausgebaut
und wurde und wird mit viel Engagement der Anwohner
möbiliert. Ich hoffe, wir können uns auf ein Einweihungsfest
im Frühjahr freuen.
Erwähnen möchte ich stellvertretend für alle Vereine und
Verbände, die auch im abgelaufenen Jahr wieder hervor
ragende Arbeit geleistet haben, die Schützenbruderschaft
Hl. Familie, die mit einer riesengroßen Schützenfamilie ihr
Jubiläum gefeiert hat. Erwähnen möchte ich auch die
Hospizgruppe Billerbeck, die in eigene Räumlichkeiten
ziehen konnte, und damit ihre Arbeit für die Menschen
hier in Billerbeck weiter intensivieren konnten.
Natürlich wird das Jahr 2004 als das Kommunalwahljahr in
Erinnerung bleiben. Der Wahlkampf prägte die Sommer-
monate. Die hohe Wahlbeteiligung, die auch in der
Stichwahl noch überdurchschnittliche Werte erreichte,
zeigte, dass die Billerbeckerinnen und Billerbecker die Wahl
mit großem Interesse verfolgten. Unabhängig davon, wie
der einzelne den Ausgang der Wahl bewertet, war dies ein
großer Erfolg für die Demokratie.
Der neue Rat hat mit Elan seine Arbeit aufgenommen,
neue Gesichter und Ratsmitglieder mit viel Erfahrung finden
zusammen, um gemeinsam für Billerbeck das Beste zu
erreichen.
Erste wichtige Weichen hat er bereits gestellt: Im neuen
Schuljahr wird es in Billerbeck die Offene Ganztags-
grundschule geben.
Mit Beginn des neuen Jahres kamen im Zuge der
Umsetzung des Sozialgesetzbuches II, besser bekannt
unter dem Schlagwort Hartz IV, auf unsere Stadt zu. Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereiches
Soziales investierten viele Stunden, auch abends und an
den Wochenende, um einen reibungslosen Ablauf zu
ermöglichen. Ihnen ist zu verdanken, dass der Start in
unserer Stadt als geglückt bezeichnet werden kann. Ich
bitte vorsorglich um Verständnis, wenn möglicherweise
nicht allen Erfordernissen in gewohnt zügiger Weise
Rechnung getragen werden kann.
Das Jahr 2005 steht für die ganze Stadt im Zeichen des
Bistumsjubiläums. Billerbeck als Sterbeort des Hl. Liudger,
des ersten Bischofs von Münster, kommt eine besondere
Bedeutung zu, die sich auch in dem umfangreichen
Terminkalender der Veranstaltungen widerspiegelt. Ich
freue mich sehr über die zahlreichen Begegnungen und bin
sicher, dass die ganze Stadt das Jubiläum mitfeiert.
Leider hat sich die finanzielle Lage der Stadt Billerbeck
weiter verschlechtert. Nun möchte ich heute kein Klagelied
anstimmen. Ich möchte aber dennoch deutlich darauf
hinweisen, dass die oft geäußerte Feststellung "Ohne
Finanzen keine Zukunft" verkehrt gedacht ist. Wer danach
handelt, handelt falsch. Da die Finanzen immer das Ergebnis
und der Erfolg menschlichen Handelns ist, muss es vielmehr
heißen "Ohne Zukunftsbefähigung keine Finanzen".
Und so schlage ich die Brücke zu unserem heutigen Thema
"Der Demographische Wandel und die Herausforderungen
für die Kommunen". Wenn wir uns die Zahlen hier in
Billerbeck ansehen, könnten wir uns vermeintlich noch eine
Weile zurücklehnen.
Wir verzeichneten in 2004 113 Geburten und 94 Sterbefälle,
also nach wie vor einen Geburtenüberschuss. Unsere Stadt
wächst langsam, aber stetig. Diese Feststellungen treffen
für den ganzen Kreis Coesfeld zu, der als Wachstumsregion
gilt. Die gerade vom Bundesfamilienministerium vorgestellte
"Familienatlas 2005" weist dem Kreis Coesfeld eine
herausragende Stellung zu. Aber wie lange noch? Der Blick
auf die Alterspyramide in Billerbeck zeigt, dass auch wir
älter werden, dass die Anzahl der älteren Menschen steigt,
dass zu wenig Menschen nachwachsen.
Daher betrachte nicht nur ich familienfreundliche
Rahmenbedingungen als Standortvorteil für eine Stadt.
Daher ist z.B. ein bedarfsgerechtes Angebot an Kinder-
betreuungsplätzen kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Auf der anderen Seite muss sich die Stadtentwicklung auf
die Bedürfnisse der älter werdenden Bevölkerung einstellen.
Ältere Menschen müssen ein selbst bestimmtes Leben
führen können. Dafür gehören auch Wohnformen, die ihren
Bedürfnissen entsprechen.
Ich freue mich, dass Herr Prof. Reuber heute zu uns nach
Billerbeck gekommen ist, um sie grundsätzlich mit diesem
Thema vertraut zu machen, dass auch uns in Billerbeck in
Zukunft beschäftigen muss.
Meine Damen und Herren,
"Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten
hinter dich". Mit diesem Sprichwort möchte ich Ihnen allen
ein gesundes, friedvolles und erfolgreiches neues Jahr
wünschen.
Lassen Sie es nicht zu, dass Zukunftsängste, Zögern und
Zaudern unser Handeln bestimmten, lassen Sie uns weiter
gemeinsam für ein zukunftsfähiges Billerbeck arbeiten.
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